Chronik

Vom Hemdglunker zum Friburger Glunki

 

Wess` Nam` und Art....

Glunki? – Was ist eigentlich genaugenommen ein Glunki? Nirgends ist eine klare Definition dieses Begriffs, der nur in der Mundart angesiedelt ist zu finden. Weder dem Tagebüchler seligen Angedenkens Anton Müller noch im alemannischen Wörterbuch von Hubert Baum.

Nur die Definition des Begriffs „Hemd-Glunki“ – Kinder, die im Nachthemd noch schnell vor dem Schlafengehen durchs Haus toben oder auch Erwachsene im Nachthemd mit leicht tadelndem Unterton, das ist alles.

 Allgemein wurde der Begriff durch die Tatsache, dass man heutzutage keine langen Nachthemden mehr, sondern Pyjamas, auf deutsch: Schlafanzüge trägt, in den Hintergrund verbannt. Der Verfasser kann sich aber noch gut erinnern, dass der Begriff des Glunki vor

70 Jahren zu Freiburg noch gang und gäbe war. „Des isch-der e scheene Glunki“! – das war dann so einer, der sich gern als dümmlich und naiv gab, es aber trotz zur Schau gestellter Einfältigkeit, faustdick hinter den Ohren hatte. Beileibe aber kein krimineller Typ, eher ein Witzbold, ein Spaßmacher, vielleicht sogar eine Art Eulenspiegel.   

Die närrische Mentalität der Freiburger Hemdglunker, - es geschah bei einer Hauptversammlung Ende der fünfziger Jahre – gipfelte in folgender Episode. Man hatte beim Ergebnis des Kassenberichts festgestellt, dass die Einnahmen so hoch waren, wie die Ausgaben, oder umgekehrt. Daraufhin erklärte der damalige Zunftvogt lapidarisch, - es war der Hoffmann Franz -: „Null uff Null goht uff, `s goht degege!“

Es kennzeichnet den Geist, der damals bei den Hemdglunkern herrschte. Gewinnstreben war letztrangig, es ging schlicht und einfach um die Sache – die Friburger Fasnet hieß. Und diesen Geist von damals kann man heute noch beim Durchlesen der Satzung der „Friburger Glunki“ von 1981 verspüren, der darin seinen Niederschlag gefunden hat: „Eventuelle Gewinne dürfen nur zum Wohle und zum Bestehen der Zunft Verwendung finden.“

Wie es zur Gründung der Hemdglunker kam, das war ein Kapitel für sich.Wie so oft im Zeitablauf lässt sich auch hier das Bonmot unserer westlichen Nachbarn „denne vum Rhy“ anwenden, nämlich: „ Cherchez la femme!“. Auf gut deutsch: „Es steckt eine Frau dahinter“. Es war anno 1937. Eine Stammtischecke in der „Goldenen Krone“ in der Kronenstraße war der Schauplatz. Die Stammtischrunde traf sich an Fasnet immer noch ohne Hemd, obwohl sie schon den ersten Narrenbaum vor dem Gasthaus gestellt hatten. Sie verkleideten sich eben recht und schlecht „närrisch“, schmierten Farben und Schminken ins Gesicht und nannten sich „Narrennest Kronenviertel“, bis dann eines schönen Winterabends die Wirtin, - Frau Ida Wernet – war ihr Name, im Nachthemd an den Stammtisch trat und den verdutzten Mannvölkern vorschlug, die nächste Fasnet einfach im Nachthemd mitzumachen.

Tobende Zustimmung und helle Begeisterung war die Antwort auf die für die Stammtischbrüder epochale Idee. Übrigens, das sei noch erwähnt, dass der Name „Narrennest Kronenviertel“ immer noch auf der uralten „Bimberkasse“, die freiwillige Spenden der Mitglieder bei den Sitzungen schluckt, zu sehen ist. Auch das ist Tradition, wenn man schon dieses militärisch duftende Wort verwenden will.   

Anno 1939 war es dann soweit. Die Hemdglunker traten im Nachthemd an, mit einer Narrenkapelle, bestehend aus Zieha, Trommel und Trompete, hinter ihrem ersten Zunftvogt, dem Kuster Max. Aber die Herrlichkeit war nur von kurzer Dauer. Im Herbst des gleichen Jahres brach der Zweite Weltkrieg aus und die Zipfelmütze wurde durch den Stahlhelm ersetzt und dann schwiegen alle Flöten. Kriege sind immer zu allen Zeiten die großen Widersacher der Fasnet gewesen.

Anno 1950, als sich der düstere Vorhang gehoben hatte, traten die Hemdglunker unter ihrem Fasnetmotto „Allem trutze“ wieder zur närrischen Schlacht an und wieder war der Kuster Max vorneweg mit dabei und er sollte auch dabei bleiben bis anno 1955. Die Ernennung als Ehrenmitglied, Ehrenzunftvogt und Oberzunftvogt seien nur am Rande erwähnt. Er gehört in die Reihe der Großen der Friburger Fasnet, wie Willy Jäger, Harry Schäfer, Ernst Scheu,

Bertl Eggert, Sepp Schleer, Willi Schneeberger, Dolfi Gailer usw. usw. Große Verdienste erwarben sich die Hemdgluker durch die Organisation und Durchführung des großen Kinderumzugs durch das Kronenviertel, der noch durch die Teilnahme von Oberbürgermeister Dr. Eugen Keidel und seiner Gattin besonderen Glanz erhielt, die dann auch später aufgrund ihrer Verdienste anno 1981 zu Ehrenmitgliedern der Zunft ernannt wurden. Vor allem ihrer offenen Hand zum Wohle der Kinder wegen, die durch die beiden immer reich beschenkt wurden.

So jeweils geschehen am Schmutzige Dunnschtig. Die Zunft selbst bewirtete die Kinder kostenlos – sozusagen zum Nulltarif – mit Wurst, Wecken und Getränken. Auch mancher ältere Zuschauer bekam eine Wurst in die Hand gedrückt. Es war eine Art soziale Kinderfasnet. Der Umzug durch das Kronenviertel selbst fand unter großer Anteilnahme nicht nur der Bevölkerung aus dem Kronenviertel, sondern auch der der Unter – und Mittelwiehre statt und war mit eines der hervorstechendsten Ereignisse, am Tag der Fasnetausgrabung, im fasnetlichen Freiburg.

Die Maske der Freiburger Hemdglunker – auch ein Kapitel für sich.Wie es eigentlich dazu kam, weiß niemand mehr genau. Es muss in den sechziger Jahren gewesen sein, als die Ansicht oder auch Einsicht aufkam, man hätte jetzt lange genug sein eigenes Gesicht an der Fasnet zur Schau getragen, kurz gesagt, man dachte an die Anschaffung von Holzmasken. Da war doch die vom Fahr Richard geschaffene Stempelentwurfzeichnung, das Gesicht eines Hemdglunkers zeigend, mit einem zugekniffenen Auge und einer länglichen Nase. Dieses Gesicht ließ man als Maske schnitzen, zunächst einmal acht an der Zahl. Es bestand aber so etwas, der sich „Traditionsausschuss“ nennt – sein Nachfolger ist der heutige Brauchtumsausschuss -, der die Maske begutachten, genehmigen oder ablehnen sollte. Der Leiter dieses Gremiums, der damalige Obristzunftvogt Ernst Scheu meinte höchst unbürokratisch: „Worum nit? – Unseri Fasnet isch halt emol e Maskerad!“ Nichts da, meinte einer der „Ausschüssler“ – sein Name tut nichts zur Sache - ,die Nase der Maske sei die gleiche, wie die der Blaue Narre und außerdem Hemdglunker tragen keine Maske. Er wehrte sich mit allen Vieren dagegen, so dass er schlussendlich die restlichen Mitglieder des Ausschusses überzeugte. Die Maske wurde abgelehnt. Man fügte sich dem demokratischen Urteil und ließ die Sache auf sich beruhen.

Aber, - oh Ironie des Zufalls! Über zwei Jahrzehnte später stiftete derselbe heftige Ablehner von anno dazumals die Maske mit der angeblichen – Blauen-Narre-Nase-, ohne Wissen der Zunft, dem Freiburger Narrenmuseum, einfach so, ohne irgendwelche urheberrechtlichen Bedenken zu hegen. – Quo vadis stultitia!-

Leider, für den großzügigen Schenker, hat der bei der Übergabe des „Geschenks“ zugegen gewesene Oberzunftvogt der Glunki den Tatbestand erkannt und registriert. Bei der Übergabe wurde diese Maske nämlich als „Maske der Hemdglunker“ deklariert.

Es ergab sich aber Mitte der siebziger Jahre, das der Mitgliederstand stagnierte und sogar zurückging. Aber ein Stamm Unentwegter hielt fest zur Stange. Um das Weiterbestehen der Zunft zu sichern beschloss man eine Radikalkur vorzunehmen. Hans Kutzner, der damalige Zunftvogt, verfolgte mit einer anerkennenswerten Energie und Zähigkeit die Umwandlung der Hemdglunker in „Friburger Glunki“. Er ließ den Insignienmeister der Breisgauer Narrenzunft keine Ruhe mehr, bis das Häs samt Maskenentwurf, Schnitt, Form und Anordnung der Fleckle vorlag. Allerdings vorerst nur auf dem Papier. Die Formalitäten waren bald erledigt, die Hürde des sogenannten „Kostümausschusses“ genommen. Aber der Kutzner Hans blieb am Ball bis der Stoll Heiner im „Hüsli“ in Grafenhausen die erste Maske geschnitzt hatte und im Do-it-yourself-Verfahren das erste Häs das Licht der Welt erblickte.

Somit waren mit einer Klappe zwei Fliegen geschlagen: Eine Zunft blieb erhalten und ein neues farbenprächtiges Häs bereicherte die Friburger Fasnet. Leider musste der Hans Kutzner 1973 infolge eines Unfalls sein Amt zu Verfügung stellen. Die Glunkis ernannten ihn zum Ehrenzunftvogt. Sein Nachfolger wurde Rudi Krieg. Zwei Jahre später kam der Kutzner Hans auf tragische Weise ums Leben. Nach der Schließung der Radsporthalle im Jahre 1975 gelang es der Zunft, ihre Veranstaltungen, Zunftabende etc. zum ersten Mal in der Tuniberghalle zu Freiburg-Opfingen erfolgreich durchzuführen. Man veranstaltete in der Ära Krieg Ausflüge, Wanderungen und gesellige Hüttenabende in voller Harmonie, nicht zuletzt dank des ausgleichenden Naturells des Zunftvogts. Und weiter geht die Zeit im Sauseschritt nach Wilhelm Busch: 1978 war der Kuster Max gestorben, aber seine Zunft besteht in anderer Form weiter. 1979 konnte die Zunft ihren 40. Geburtstag feiern in der bereits oben erwähnten Tuniberghalle in Freiburg-Opfingen.

1981 wurde dann eine Verbindung geschaffen mit der Höttinger Narrengilde. Es muss erwähnt werden, dass Hötting im Oberinntal liegt und ein Vorort von unserer Partnerstadt Innsbruck ist. Die Glunki nahmen im selben Jahr an einer Fasnetveranstaltung in der Hauptstadt Tirols teil. Sie hatte die närrische Ehre, das Innsbrucker Rathaus mit zu erstürmen, wurde anschließend vom Oberbürgermeister der Stadt Innsbruck, Herr Dr. Luggner, empfangen, wobei der Eintrag ins Goldene Buch der Tiroler Landeshauptstadt bestimmt den Höhepunkt dieser Narrenreise bildete. 1984 wurde der Besuch wiederholt. Ansonsten aber trugen die Glunki den Ruf Freiburgs als Narrenmetropole Südbadens auf ihren Narrenfahrten in alle Himmelsrichtungen, wobei sie an den jeweiligen Veranstaltungen und Umzügen teilnahmen.

Im Januar 1984, elf Jahre nach seiner Wahl zum Zunftvogt und auch nach elf Jahren vorbildlicher Tätigkeit für die Zunft, wurde Rudi Krieg, der Unermüdliche, wenn es um die Belange der Zunft geht, zum Oberzunftvogt ernannt und durch die Breisgauer Narrenzunft bestätigt und nunmehr im 50. Jahr des Bestehens der Zunft: „Hemdglunker – Friburger Glunki“ als amtierender Oberzunftvogt voll seinen Mann.

                                                                                                                                                                       Richard Fahr

(Diese Chronik wurde anlässlich unseres 50. Jährigen Jubiläums 1989 erstellt.)

1989 ging Oberzunftvogt Rudi Krieg in den Wohlverdienten Ruhestand, wobei er immer noch mit seiner langjährigen Erfahrung der Zunft zur Seite steht. Sein Nachfolger wurde der damalige zweite Zunftvogt Wolfgang Radel. Auch unter seiner Leitung wurden Veranstaltungen, Wanderrungen, Ausflüge und Hüttenaufenthalte etc. unternommen.

Im Jahre 2000 wurde auch Wolfgang Radel als Oberzunftvogt ernannt und durch die  Breisgauer Narrenzunft bestätigt.

Zur Jahreshauptversammlung am 20.04.2002 stellte Oberzunftvogt Wolfgang Radel sein Amt als Zunftvogt  der Friburger Glunki zur Verfügung. Unser neuer Zunftvogt wurde Andreas Waibel.

2013 ging Oberzunftvogt Andreas Waibel in den wohlverdienten "Ruhestand", ist aber nach wie vor, als aktives Mitglied mit von der Partie.
Unser neuer Zunftvogt ist nun Christian Schenk.